Die vergangenen zwei Tage war ich geschäftlich in München und finde nun – Bahn sei Dank – endlich mal wieder Zeit zum Bloggen. Gestern Abend habe ich mich mit einer Freundin aus der Vorderpfalz getroffen, die seit kurzem in der bayrischen Metropole arbeitet. Sie fühlt sich sehr wohl dort, erzählte sie mir. Nur einmal habe sie bisher das Heimweh gepackt: als sie das Pfälzer Weinfest im Kaiserhof der Münchner Residenz besuchte (auf dem waren sogar die Wachtenburg-Winzer vertreten).
Da hatte ich nun gerade den warmen Sommerabend im Englischen Garten genossen, den Biergarten am Chinesischen Turm und die Surfer auf dem Eisbach bestaunt, und dann wurde mir wieder klar, dass wir auch in der Pfalz etwas ganz Besonderes haben.
Unser Burg- und Weinfest ist bestimmt (noch) nicht perfekt – so wie wahrscheinlich der Englische Garten auch nicht perfekt ist. Aber das, was an den zwei Juni-Wochenenden in Wachenheim im Ort und auf der Burg passiert ist, gefällt mir auch noch mit ein paar Monaten Abstand sehr gut.
Besonders schön fand ich, dass die recht unterschiedlichen „Locations“ alle ihr Publikum fanden. Die Wachtenburg war beliebt wie immer, im historischen Dalberger Hof trafen sich die Familien, schräg gegenüber im Weingut Manz die etwas älteren Semester, bei den Pfadfindern erinnerte die herzliche Stimmung an ein Klassentreffen, das Sekt-Schloss punktete mit ungewöhnlicher Musik und edlem Ambiente, auf dem Marktplatz funktionierte der Kompromiss zwischen Exklusivem und Bewährtem, und auf dem Rathausplatz herrschte endlich wieder Leben, je nach Band auch mal Partystimmung pur.
So war es – wie Kathrin Keller in ihrem Rheinpfalz-Kommentar treffend analysierte – nicht die eine, ganz besondere Attraktion, die den Reiz des Burg- und Weinfestes ausmachte. Nach so einem Alleinstellungsmerkmal hatten wir im Vorfeld gesucht, allerdings ohne rechten Erfolg. Daher hatte ich ziemlich frustriert befürchtet, das Burg- und Weinfest würde mangels schlüssigen Gesamtkonzeptes in der Beliebigkeit versinken. Das ist nicht passiert, vielmehr entstand aus den Einzelinitiativen eine sehr gelungene Mischung.
Die Besucher waren dabei Teil der Attraktion. Nehmen wir zum Beispiel die Wachenheimer, die vor allem aufs Weinfest gehen, um Freunde und Bekannte zu treffen. Ständig begrüßen sich Leute, stehen in kleinen Grüppchen zusammen, verabschieden sich, nur um gleich die nächsten Bekannten zu treffen. So entsteht eine familiäre Atmosphäre, die auch die auswärtigen Besucher sehr reizvoll finden (und so weder auf dem Wurstmarkt noch auf dem Oktoberfest erleben können).
Uns Wachenheimer wiederum erfüllt es mit Stolz, wenn auch „Außergewärtische“ auf das Burg- und Weinfest kommen – und es ihnen bei uns gefällt. Einen der weitesten Wege hatte wahrscheinlich Simon Jones - ein britischer Übersetzer und Weinfan, der in Basel lebt. Er ist seit Jahren Stammgast des Burg- und Weinfestes und hat schon seit dem Frühjahr über unseren Twitter-Account die Vorbereitungen verfolgt. Mit entsprechend hohen Erwartungen ist er nach Wachenheim gekommen. Und auch ihm ist aufgefallen, dass sich unser Weinfest nach dem Abwärtstrend der vergangenen Jahre wieder positiv entwickelt hat. Seine Eindrücke hat er in seinem Blog beschrieben (zum Beitrag hier klicken – ist wirklich lesenswert!).
Da Simon von dem Begriff Weinfest 2.0 etwas verwirrt war (und das ging bestimmt nicht nur ihm so!), hier nochmal eine Erklärung: Hinter dem Begriff steckt ja die Idee, die Werkzeuge des Web 2.0 und auch die Kommunikationsprinzipien (Interaktion, Kollaboration, Transparenz) auf unser Weinfest anzuwenden. Dadurch wollten wir Folgendes erreichen:
- im Vorfeld die Organisation des Weinfestes durch eine selbstgesteuerte Community verbessern
- während des Weinfestes auf Web 2.0-Plattformen Werbung machen und so ein jüngeres, aktives Publikum ansprechen
- danach aus dem Feedback, das von den Besuchern im Web 2.0 dokumentiert ist, fürs nächste Weinfest lernen
Die Community hat im ersten Jahr noch nicht ganz das gebracht, was ich erhofft hatte. Zwar haben sich mehr als 30 Leute angemeldet, und es wurden auch einige Ideen diskutiert. Bei der Umsetzung der Ideen ging die Beteiligung dann aber abrupt zurück. Hier kamen die Impulse eher auf konventionellem Weg – zum Beispiel von den Treffen der Standbetreiber auf dem Rathausplatz. Deren Einsatz lieferte sehr gute Ergebnisse, fand aber leider keinen Ausdruck in der Community. Ich hoffe, dass wir da im nächsten Jahr mehr Interaktion hinbekommen.
Einen greifbaren Vorteil hatte die Community aber doch: Der Konflikt um den Marktplatz wurde transparent. Die verschiedenen Vorstellungen – Einzelstände mit individueller Bestuhlung oder edle Möblierung unter Verzicht auf Weinstände – wurden in der Community beschrieben und zumindest mal andiskutiert. Das war eine wichtige Vorbereitung, um dann in einem persönlichen Treffen eine Kompromisslösung zu finden.
Die Web 2.0-Kommunikation während des Weinfestes hat im ersten Jahr schon ganz gut funktioniert – vor allem angesichts der Tatsache, dass ich den Weinfestblog und die @Weinfest20-Tweets als freiwilliges Engagement neben Vollzeitjob und Familie betrieben habe. Nicht nur Simon Jones hat hier das Weinfest aus der Ferne verfolgt, auch andere Leute kamen durch die Blogeinträge und Twitter-Nachrichten auf die Idee, das Weinfest zu besuchen. Dabei gab es sogar ein spontanes Treffen von Wein- und Regionalbloggern aus dem Rhein-Neckar-Delta. Ich ärgere ich heute noch, dass ich die verpasst habe (vielleicht gibt es demnächst eine zweite Chance – dazu hoffentlich bald mehr)! Wer die Geschichte vom Bloggertreffen und der Twitterwand verpasst hat, kann sie hier nachlesen.
Auf Facebook fand das Weinfest 2.0 auch schon statt – allerdings eher als zufällige Sammlung von Einzelinitiativen. Hier waren zum Beispiel die Weingüter Manz und Peter sowie die Pfadfinder aktiv. Auch das Programm auf dem Rathausplatz oder die Auftritte der Brights und der Jumpin’ Beats wurden über Facebook beworben. Außerdem gibt es eine Seite vom 39. Burg- und Weinfest, die Nils Riebeling im letzten Jahr als “Grassroots-Initiative’” (also eigentlich ähnlich wie dieser Blog) eingerichtet hat. So eine übergreifende Seite – vielleicht von der Tourist Information verantwortet – sollten wir auch fürs nächste Jahr einrichten. Von dort sollten wir alle anderen Facebook-Einzelauftritte verlinken – damit Interessierte nicht so durch Facebook suchen müssen, wie ich gerade bei der Zusammenstellung dieser Aufzählung
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Feedback zum Burg- und Weinfest haben wir sowohl hier im Blog und über Twitter als auch über die einzelnen Facebook-Seiten bekommen. Das sollten wir uns systematisch anschauen, um Anregungen für Verbesserungen im nächsten Jahr zu bekommen. Einige Neuerungen für 2012 sind schon in der Diskussion. So hoffe ich, dass wir dann wirklich unsere Twitterwand bekommen, auf der alle live das Feedback sehen können, das Besucher gerade von iPhones oder anderem mobilen Geräten abgeben. Ideal wäre, wenn man dort auch Einträge von der Facebook-Seite anzeigen könnte. Hat jemand so etwas schon einmal gesehen?
Nicht nur für diese Frage ist es wichtig, dass wir jetzt möglichst früh mit der Planung fürs kommende Jahr anfangen. Da hoffe ich auf einen ersten Gesprächstermin im September. Online sind Ihre und Eure Ideen jetzt schon gefragt – entweder als Kommentar hier im Blog oder in unserer Community.